Der digitale Produktpass – ein guter Weg in die Kreislaufwirtschaft?

Der digitale Produktpass – ein guter Weg in die Kreislaufwirtschaft?
03 Mai 2022

Informationen sind der Schlüssel, um sicherzustellen, dass Produkte nachhaltig entworfen, hergestellt, verwendet, repariert und am Ende ihrer Lebensdauer richtig entsorgt werden können. Intransparente Lieferketten und fragwürdige Beschaffungsmaßnahmen von Rohstoffen begünstigen Missstände wie Kinderarbeit oder Umweltverschmutzungen.

Die EU treibt den Green Deal stärker voran und hat sich das Ziel gesetzt, europäische Produkte vollständig transparent und nachhaltig zu gestalten. Bis 2030 sollen ausschließlich nachhaltige und kreislauffähige Produkte auf dem Markt zugelassen werden. Um dies zu ermöglichen, hat die EU den digitalen Produktpass (DPP) vorgeschlagen. 

Das Potenzial des digitalen Produktpasses 

Wurde ein Produkt von Kindern nach einer langen Arbeitswoche unter massivem Druck gefertigt, oder kommt es aus einer verantwortungsvollen Umgebung? Dies herauszufinden, erweist sich häufig als schwieriger als gedacht. Mit dem digitalen Produktpass sollen Verbraucher Informationen über die von ihnen verwendeten Produkte einfach und transparent einsehen können. Hersteller pflegen hierfür die gesamten Daten der Wertschöpfungskette in den Pass ein. Darin enthalten sind Aspekte wie die Herkunft, Sicherheit, Reparierbarkeit und Recycelbarkeit. Langfristig soll der DPP eine nachhaltige Produktion fördern und den Übergang zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft erleichtern. Weiterhin ermöglicht er neue Geschäftsmöglichkeiten und sorgt für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. 

Im April 2022 wurde beispielsweise der Vorschlag der EU zum “Recht auf Reparatur” angenommen. Unternehmen sind dadurch verpflichtet, Produkte bis zu 10 Jahre lang nach dem Inverkehrbringen reparierbar zu machen. Der DPP soll auch an diesem Punkt dem Verbraucher Informationen liefern können. 

Wie funktioniert der digitale Produktpass? 

Im Wesentlichen enthält der DPP einen Datensatz aller verwendeten Ressourcen, Komponenten und chemischen Substanzen oder auch Informationen zu Reparierbarkeit, Entsorgung und Recyclingfähigkeit. Die Daten stammen aus allen Stadien des Produktlebenszyklus und können in allen Phasen für verschiedene Zwecke genutzt werden.  

 

Der Lebenslauf eines Produkts, mit dem digitalen Produktpass

 

Der digitale Produktpass eignet sich insbesondere für ressourcen- und energieintensive Produkte, wie Informations- und Kommunikationstechnik. Durch den Pass werden Verbraucher unterstützt und können besser eine fundierte und nachhaltige Entscheidung im Kaufprozess treffen. Der Produktpass soll folgende Informationen aufzeigen:

  • Transparenz über den gesamten Lebenszyklus unter Einbeziehung der Rohstoffkette
  • Ökologische Informationen zu Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch und anderen Umweltauswirkungen 
  • Alle Informationen mit Relevanz für das Recycling, wie Inhaltsstoffe, Gefahrenpotenziale, Hinweise zur Demontage und zur richtigen Entsorgung 
  • Regulierungsinitiativen, wie das Recht auf Reparatur 
  • Sorgfaltspflichten, wie die Einhaltung der Menschenrechte

Langfristig kann der Pass zu einer Steigerung der Effizienz in den Prozessen führen und die Digitalisierung vorantreiben. Denn auf Basis der Daten lassen sich Prozesse in der Wertschöpfungskette besser planen und steuern. 

Vorerst soll der Pass jedoch nur bei bestimmten Produkte zum Einsatz kommen, angefangen mit Batterien. 

Der digitale Produktpass für Batterien 

Die Produktion von Batterien steht immer wieder in der Kritik, denn der Abbau von Lithium, Kobalt und anderen Rohstoffen sorgt für eine schlechte Umweltbilanz. Aus diesem Grund soll im ersten Schritt der digitale Produktpass für Batterien eingesetzt werden. Das Ziel ist, Batterien so zu gestalten, dass der Einsatz von Rohstoffen sinkt und einzelne Bestandteile in den Kreislauf zurückgeführt werden können. Bis 2024 müssen Batterien in Smartphones und leichten Verkehrsmitteln so gestaltet werden, dass Verbraucher sie einfach und sicher selbst entfernen und gegebenenfalls austauschen können.

Fazit 

Um die Ziele des europäischen Green Deals zu erreichen, müssen Produkte kreislauffähig und recycelte Materialien auf dem Markt frei zugänglich werden. Obwohl mit der Implementierung des DPP Hersteller vor einer Herausforderung stehen, kann er langfristig in allen Bereichen eine nachhaltige Entwicklung vorantreiben und neue Märkte eröffnen. 

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Lisa Neulichedl